Jakob van Hoddis -
wer diesen Namen kennt, verbindet ihn fast immer mit einem Gedicht. "Weltende": Diese acht Zeilen elektrisierten 1911 die Caféhausliteraten in Berlin, beschrieben die Stimmung einer ganzen Generation. Jakob van Hoddis hatte in diesem Gedicht der Ahnung vom bevorstehenden Zusammenbruch jeglicher Ordnung eine Sprache gegeben. Sein eigenes Lebensschicksal fasste er 1911 in eine einzige Gedichtzeile: "All meine Pfade rangen mit der Nacht." Hans Davidsohn, der sich später Jakob van Hoddis nannte, kam als Sohn einer jüdischen Bürgerfamilie 1887 in Berlin zur Welt. Nach einer kurzen Phase der Rebellion und des Erfolges als junger Dichter durchlitt er ab 1912 schwere, seelische Krisen und fiel zu Beginn des 1.Weltkrieges in "geistige Umnachtung". Nach 25 Jahren als Pflegling verschiedener Privatleute und als Patient psychiatrischer Kliniken wurde er 1942, gemeinsam mit hunderten von Patienten und dem Pflegepersonal der Israelitischen Heil- und Pflegeanstalten in Bendorf-Sayn, von den Nationalsozialisten verschleppt und ermordet.